



| | Eine völlig unterschätzte Domäne des Aqualizers ist die Diagnostik. Es gibt in Fachkreisen bezüglich der Cranio-Mandibulären Dysfunktion (CMD) keine Einigkeit. Weder darüber, was unter diesem Begriff alles eingeschlossen ist, und was nicht, also die Definition, noch über die Vorgehensweise bei Diagnose und Therapie. Der Versuch, durch groß angelegte Doppelblindstudien Klarheit zu schaffen scheint alleine schon durch die Uneinigkeit darüber, was es eigentlich ist, das man studieren möchte, in Frage gestellt. Darüber hinaus gibt es die unterschiedlichsten Auffassungen darüber, auf welcher Ebene sich eine solche Dysfunktion eigentlich abspielt: Auf der psychischen, der neurologischen, der muskulären, oder der mechanisch-okklusalen. Studien scheinen zu zeigen, dass die psychische die dominante Ebene ist, aber Vorsicht: Psychopharmaka wirken sehr unspezifisch auf das Schmerzsystem ein, ebenso wie die meisten Schmerzmittel, wie auch psychische Entspannungsverfahren, Meditationstechniken, etc. So lassen sich zwar klare Statistiken erzielen, aber der Beweis für die Richtigkeit einer These bezüglich einer Kausalität bei der CMD ist damit nicht erbracht! Vergleichbar ist das damit: Sollen Schmerzen an einem Zeh untersucht werden, so mag bei der überwältigenden Mehrheit der Fälle mit trizyklischen Antidepressiva eine signifikante Linderung der Beschwerden herbeizuführen sein. Das beweist aber nicht, dass, z. B. im Falle einer Blase am Zeh ein etwas anders geformter Schuh nicht die wesentlich sinnvollere Therapie darstellen würde! Diesem, vor allem für den zwischen den Mühlsteinen der kontroversen Ansichten gefangenen Patienten, kontraproduktiven Dissenz kann man am einfachsten durch nüchterne, fallgebundene Differenzierung aus dem Wege gehen: Wenn das Tragen eines unspezifisch agierenden Bissbehelfes Einfluss auf das Problem hat, wegen dem der Patient Hilfe sucht, so besteht zumindest die Möglichkeit, dass er von einer, wie auch immer gearteten, Okklusaltherapie profitieren kann. Lässt sich durch den Aqualizer keine Bewegung in das Symptomgefüge des Patienten bringen, so ist die Prognose für eine Okklusaltherapie in diesem Fall und zu diesem Zeitpunkt ungünstig. |